Großer Ärger über viele Banken in Deutschland: Etliche Geldinstitute verlangen von ihren Kunden extrem hohe Zinsen. Das Thema sorgt alle paar Monate für Aufregung in den Medien. Politiker treten auf den Plan, fordern gesetzgeberische Maßnahmen wie einen Zinsdeckel – doch selten passiert tatsächlich etwas. Die Dispozinsen vieler Banken liegen unverändert hoch, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat. Die Rede ist von einer breit angelegten Abzocke der Kunden.

Aktuell ist die Verärgerung über die Geschäftspolitik der Banken besonders groß, weil die Leitzinsen auf einem historisch niedrigen Niveau liegen. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beträgt gerade mal 0,5 Prozent. Die Banken haben also die Möglichkeit, Geld von der EZB fast zum Nulltarif zu leihen. Viele von ihnen geben diese sehr günstigen Konditionen aber nicht einmal ansatzweise an die Kunden weiter, deren Konto überzogen ist. Die Stiftung Warentest fand bei ihrer Untersuchung Zinsen für den Dispositionskredit von bis 14,75 Prozent.

Den Angaben der Tester zufolge waren unter den besonders teuren Banken auch öffentlich-rechtliche Institute, die normalerweise einen guten Ruf haben. Gerade in ländlichen Gebieten, wo Sparkassen und Raiffeisenbanken oft die einzigen Geldhäuser mit eigenen Filialen sind, langen sie anscheinend besonders kräftig zu. Zinssätze von 13 Prozent und mehr sind hier offensichtlich an der Tagesordnung, wie die aktuelle Untersuchung zeigt.

Schon ist SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit der Forderung zur Stelle, die Dispozinsen müssten nach oben begrenzt werden. Ob dieser Vorschlag im Wahlkampf breiteren Raum einnehmen wird, muss sich noch zeigen. Die Bundesregierung jedenfalls hat sich schon positioniert und eine gesetzliche Obergrenze für die Zinsen abgelehnt.